Auftaktniederlage für Grötzinger Kunstturner

 Heckengäu, Bühl, und ein Hauch von Oberhausen

Aufgrund kaum stemmbarer Auflagen von vielen im Vorfeld nicht für möglich gehalten, startete am vergangenen Samstag tatsächlich die 3. Kunstturn-Bundesliga – wenn auch nicht für alle Teams, der USC München wurde leider ein Opfer der Söderschen Coronapolitik. Den hier beschriebenen Aktiven der Wettkampf- und Trainingsgemeinschaft Heckengäu (Zusammenschluss kleinerer Vereine aus dem Turngau Stuttgart) sowie dem TSV Grötzingen/Karlsruhe merkte man den Lockdown-bedingten Mangel an Wettkampfpraxis deutlich an: Beide Mannschaften begannen sehr nervös, so dass die ersten beiden Geräte Boden und Pauschenpferd von zahlreichen Stürzen geprägt waren. Wenig verwunderlich konnten hier die Grötzinger von ihrer größeren Routine profitieren und allein mit ihren beiden Ü40-Turnern 10 Scorepunkte verbuchen – 13:7 für Karlsruhe lautete das erfreuliche Zwischenergebnis nach dem ersten Wettkampfdrittel. 

 

Mehr Stimmung kam allerdings aus dem Heckengäuer Lager, das mit lautstarker Begeisterung auf der Bank wie auch auf der Tribüne trotz zwangsreduzierter Zuschauerzahl einen Hauch von Oberhausen-Flair zu verbreiten wusste. Sichtlich beeindruckt ließ sich Anton Weiss zu einer für alle überraschenden Zusatzbahn am Boden motivieren, die er mit einem formvollendeten Kniefall vor dem Heckengäuer Fanblock beendete.

 

Im Anschluss gab es auf beiden Seiten keinen einzigen Sturz mehr, und bereits an den Ringen wurde erkennbar, dass die Turner aus der Fächerstadt der technisch guten und vor allem extrem sauberen Ausführung der schwäbischen Konkurrenten meist wenig entgegenzusetzten hatten. Ein 0:8 führte zum Wechsel der Führung und einem Halbzeitstand von 13:15.

 

Am Sprung hingegen machte die inhaltliche Überlegenheit der Heckengäuer den Unterschied, so dass der TSV trotz im Grunde fast perfekten Auftretens, aber mit satten 2 Punkten weniger Ausgangswert, chancenlos mit 1:9 abgefertigt wurde. 

 

An Barren und Reck waren die Turner aus der Fächerstadt wieder etwas besser aufgestellt und agierten inhaltlich fast auf Augenhöhe, leichte Unsicherheiten in der Ausführung verhinderten aber einen vor allem am Reck durchaus möglichen Gerätpunkt. Schön jedenfalls die Anfeuerungsrufe auch von der gegnerischen Bank, in deren unmittelbarer Nähe sich die letzten beiden Geräte befanden.

 

Sportlich positiv hervorzuheben war die problemlose Kompensation der Fußverletzung von Marco Richter, der durch den erst 17jährigen Neyén Eder an Boden und Sprung hervorragend vertreten wurde: Der Grötzinger Youngster konnte an beiden Geräten sogar je einen Scorepunkt für sich verbuchen. Marco selbst hingegen wusste an Barren und Reck zu gefallen, wodurch die gereizte Bizepssehne von Jens Rudat geschont werden konnte, die dem Teamsenior an den Ringen deutlich sichtbare Probleme bereitet hatte. 

 

Weitere Highlights aus Karlsruher Sicht waren die Bodenkür von Julian Bertsch, die Ringeübung von Miro Göttler sowie der gesamte Auftritt von Luca Dilger, der bei seinen drei Einsätzen erhebliche Fortschritte gegenüber dem Vorjahr präsentieren konnte. Eifrigster Punktesammler war Turner-Trainer Lazar Bratan.

 

Glückwunsch an den hochmotivierten Liganeuling aus Heckengäu zum verdienten Sieg, vor allem aber ein großes Dankeschön an den TV Bühl, ohne dessen umsichtige Organisationsstruktur und Gastfreundschaft dieser Wettkampf so nicht hätte stattfinden können. Wir werden uns alle Mühe geben, uns in 2 Wochen adäquat zu revanchieren.

 

JR