Dem Robert-Koch-Institut knapp voraus im Corona-konformen Baden-Derby

 Grötzinger Kunstturner klettern dank irischem Spitzenathleten

auf Platz 2 der 3. Bundesliga Süd

 

„Der Adler ist gelandet“ oder so ähnlich lautete die Meldung vom Baden-Airpark, als der seit mittlerweile 4 Jahren für den TSV Grötzingen startende Spitzenturner Adam Steele (u.a. WM-Teilnehmer 2019) am Mittwochabend doch noch Quarantäne-frei einfliegen konnte – da er zwar irischer Nationalität ist, aber in England trainiert, und dort in einer der letzten Regionen, die das RKI zum Zeitpunkt des Fluges noch nicht als Risikogebiet definiert hatte. Am Wettkampftag selber wäre eine Einreise bzw. ein umgehender Einsatz im nachfolgenden Wettkampf trotz Zuschauerverbots und allgemeiner Maskenpflicht in der Halle (außer am Gerät) nicht mehr möglich gewesen.

 

Parallel hatten die Gegner vom TV Bühl bei der Akquise ihres schweizerischen Pendants Noah Stöckli, am Vorwochenende noch Topscorer der 3. Liga Süd, weniger Glück, weil für diesen „ein Einsatz in Deutschland eine zweiwöchige Quarantäne bedeutet [hätte] – für einen Spitzenturner quasi ein Berufsverbot und auf dem Weg zur nationalen Meisterschaft ein nicht zu kompensierender Nachteil“ [aus dem Wettkampfbericht des TV Bühl]. Umgekehrt gelten aus Schweizer Sicht Hamburg und Berlin bereits seit dem 12. Oktober als Quarantäne-pflichtige Risikogebiete, der Rest der BRD wird sicher in Kürze nachfolgen. Dem Autor deucht dieses wechselseitige Reiseverbot zwischen Skylla und Charybdis zwar wenig zielführend; aber „Ist dies schon Tollheit, hat es doch Methode“, wusste schon des alten Hamlet subalterner Scherge Polonius.

 

Jedenfalls dominierte Adam Steele das Wettkampfgeschehen nach Belieben und dokumentierte seine theoretisch immer noch bestehende Option auf einen Olympia-Startplatz in Tokio (falls ein finaler Qualifikationswettkampf doch noch durchgeführt werden darf) eindrucksvoll durch mehrere Elemente der höchsten Schwierigkeitskategorien E und F an allen Geräten. Im derart bereits vorentschiedenen Baden-Derby konnten die Turner aus der Fächerstadt ihre Senioren weitgehend schonen und die Jungspunde ihre Künste präsentieren lassen: Insbesondere der gerade 18jährige Neyén Eder wusste sich in seinen drei Duellen an Boden, Pauschenpferd und Sprung durchzusetzen und avancierte nach Adam zum erfolgreichsten Grötzinger Scorer. 

 

Weitere Highlights waren das gelungene Wettkampfdebut des schwierig zu stehenden Doppelsalto vorwärts am Boden durch Julian Bertsch (21) sowie am anderen Ende der Altersskala der endlich wieder gefangene Doppelsalto über die Reckstange („Kovács“) durch Turner-Trainer Lazar Bratan (43). Vor allem aber war es besonders erfreulich, dass sämtliche Grötzinger Starter sich in die Liste der Punktesammler eintragen konnte, erstmals in dieser Saison auch Luca Dilger (21) und Marco Richter (22).

 

Im bereits beim vorherigen Wettkampftag als Fernduell ausgetragenen Kampf um den Titel „Lemming der Woche“ zwischen Nick Hofmann (Bühl) und Anton Weiss hatte der Grötzinger dieses Mal leicht die Nase vorn und konnte bei seinem Reckabgang noch mal den Adrenalinspiegel in beachtliche Höhen treiben.

 

Allen, die das Geschehen verpasst haben, sei ein nachträglicher Blick in den kurzweilig kommentierten Livestream empfohlen: https://www.youtube.com/channel/UCbpU4HLR9QIpK77_mSpIs7g.

 

Ob und wie die Saison weitergeht, weiß derzeit niemand; geplant ist der nächste Heimwettkampf am 14.11. Auch hier wird wieder eine Übertragung via YouTube unter dem o.g. Link erfolgen. 

 

JR