Saison 2020 mit vielen Fragezeichen: Wer kann, wer darf… wer muss?

Dank eigener Trainingshalle mit großem Parkplatz und hervorragendem Frühlingswetter konnten die Karlsruher Kunstturner bereits zu Lockdown-Zeiten wieder mit ersten Freiübungen beginnen, die nach Vorlage eines (mit vereinsinterner mikrobiologisch-medizinischer in-house-Kompetenz schnell erstellten) Hygienekonzepts auch bald wieder in kleinen Gruppen nach drinnen verlagert werden konnten – was ohne literweise Desinfektionsmittel zum Nulltarif nicht gegangen wäre, herzlichen Dank an dieser Stelle an unsere Sponsoren aus der Löwen-Apotheke!

 

Die allgemeine Fitness wurde schon vorher in online-Trainingsgruppen erhalten (inklusive Handstandwettbewerben etc. via Skype), als Anfang April – wie es die FAZ so schön unter „Läuft nicht mit uns“ titelte – alle anderen plötzlich mit dem Joggen anfingen, trotz den gesicherten Erkenntnissen „Joggen ist nie lustig, nie abenteuerlich, nie spannend, man läuft halt so vor sich hin […] weil nahezu alle anderen Sportarten außerhalb des Wohnzimmers verboten sind“.

 

Ein ausführlicher Bericht der turnerischen Heldentaten findet sich auf der Vereins-Homepage unter https://www.tsv-groetzingen.de/aktuelles/tsv-in-der-corona-krise-1/

 

Der derzeit von Panikmache und Verschwörungstheorien arg gebeutelte Mens insana konnte also jederzeit wohl behütet im gestählten Corpore sano nisten – aber Kunstturnen auf Bundesliganiveau ist dann doch noch mal eine andere Baustelle, und hier nähert man sich erst langsam wieder alter Frische. Der verspätete Beginn einer verkürzten Saison bot hier zwar ein kleines Zusatzpolster zur Vorbereitung. Dafür sorgen nun mit beginnender Herbstwitterung steigende Infektionszahlen für drohende neue Auflagen wie auch massive Reisebeschränkungen, so dass die dringender denn je benötigte Verstärkung durch ausländische Gastturner zum Lotteriespiel wird: Je nach Wettkampftermin und aktueller RKI-Empfehlung kann heute die eine, morgen die andere Turnnation blockiert werden. Daher stellt man sich beim TSV Grötzingen heuer darauf ein, dass sowohl die Ü40-Turner (noch) als auch die Jungspunde (schon) den einen oder anderen Geräteinsatz mehr absolvieren müssen als gedacht.

 

Bleibt zu hoffen, dass sich in politischen Kreisen beizeiten herumspricht, dass in jedes Menschen System anderes relevant ist – und folglich neben Bundesligafußball und Fluglinien auch Schulen und Turnvereine der gesellschaftlichen Unterstützung bedürfen.  

JR