Die drei ??? und der Heimwettkampf

Wer darf einreisen? Wer wird zu Hause festgesetzt? Gibt es Limetten zum Corona?

 

Sport kommt aus dem Lateinischen „disportare“ = (sich) zerstreuen. So soll die schönste Nebensache der Welt ein Stück Normalität in den von zahlreichen Einschränkungen geprägten Alltag bringen, im Kunstturnen seit Anfang Oktober auch wieder als Wettkampfsport mit Bundesliga-Aktivitäten – mit Maske, Abstand, Kontaktverfolgung und zahlreichen anderen Vorsichtsmaßnahmen, aber immerhin. Nach einem „Spieltag“ in den 2. + 3. Ligen sowie deren drei im Oberhaus muss man allerdings konstatieren, dass dies nur teilweise gelingt – denn die Mannschaftsaufstellung diktiert allzu oft das Robert-Koch-Institut.

 

Auch das umfassendste Hygienekonzept inklusive Fiebermessung am Halleneingang ist nicht gefeit gegen behördliche Willkür, die die Einreise der assoziierten ausländischen Spitzenturner aushebelt und neuerdings auch die innerdeutsche Reisefreiheit massiv einschränkt. So musste sich Rekordmeister Cottbus am zweiten Wettkampftag der 1. Liga kampflos geschlagen geben, da positive Testungen im Trainingszentrum ein Abwarten auf negative Testergebnisse der Mannschaftsmitglieder erforderte – die zu spät eintrafen, um den einmal abgesagten Wettkampf doch noch durchführen zu können. Die Damenriege der TSG Steglitz/Berlin (2. Liga) sah sich aus logistischen Gründen außerstande zum Wettkampfantritt in Mannheim, da das Beherbergungsverbot eine notwendige Übernachtung unmöglich machte.

 

Der TSV Grötzingen kann bislang nicht auf seinen in Innsbruck trainierenden österreichischen Kaderturner Ricardo Rudy zurückgreifen, da das Bundesland Tirol derzeit als Risikogebiet gilt. „Im Grunde ist es absurd“, ärgert sich Mannschaftsführer Jens Rudat, als Mikrobiologe auch beruflich mit Gefährdungsbeurteilungen betraut und als Hygieneverantwortlicher des Vereins derzeit mehr mit der Umsetzung der Corona-Verordnungen beschäftigt als am Gerät: „In 17 von 27 EU-Mitgliedsstaaten gab es weniger Tote durch COVID19 als in Deutschland, v.a. in Nord- und Osteuropa; aber das RKI erklärt praktisch das gesamte europäische Ausland zum Risikogebiet. Dort sieht man es natürlich genau umgekehrt und stellt Einreisende aus Deutschland unter Quarantäne (u.a. Norwegen, Lettland) oder lässt Urlauber gar nicht erst rein (aktuell z.B. Finnland, Ungarn). Als Angehöriger des österreichischen Nationalteams unterliegt Ricardo außerdem regelmäßigen Gesundheitschecks inklusive PCR-Tests. Bei aller Unterstützung sinnvoller Sicherheitsmaßnahmen: Da fehlt mir jegliches Verständnis“.

 

Bleibt zu hoffen, dass nicht kurz vor dem ersten Heimwettkampf am kommenden Samstag gegen Tabellenführer TV Bühl ein Corona-Fall im Umkreis der heimischen Aktiven auftritt: „Die Personaldecke ist dünn, mehr als ein bis maximal zwei Ausfälle pro Gerät können wir ohne ausländische Verstärkung nicht auf Bundesliga-Niveau kompensieren“, sorgt sich Turner-Trainer Lazar Bratan. „…und bei einem akuten Fall in der Mannschaft wären als Kontaktpersonen 1. Grades eh alle raus aus der Nummer“, ergänzt Rudat. „Dann müssten wir den Wettkampf absagen, eine Verschiebung ist bei dem sehr knappen Saisonplan nicht möglich.“ Da hilft nur Gurgeln und viel Vitamin C; eine Palette mexikanische Mundspülung wurde bereits kommerziell erworben, frische Zitrusfrüchte werden erst unmittelbar vor dem Wettkampf organisiert.

 

Auf Zuschauer in der Halle hatte man bereits im Vorfeld in weiser Voraussicht verzichtet, die Auflagen und das Risiko kurzfristiger Verbote waren zu hoch. Dafür wird das Geschehen wieder im Stream auf „Miro-TV“ übertragen unter: 

https://www.youtube.com/channel/UCbpU4HLR9QIpK77_mSpIs7g

Ob live ab 15Uhr oder nachträglich „on demand“ – wir freuen uns auf Eure virtuelle Unterstützung. 

 

JR