Bombenstimmung im Badenderby


 Grötzinger Kunstturner unterliegen um Haaresbreite dem TV Bühl    

 

Es wurde das erhoffte packende Duell auf Augenhöhe mit Spannung bis zur letzten Übung. Rund 100 Turnbegeisterte auf den Rängen der Grötzinger Emil-Arheit-Halle ließen alle schlechten Erinnerungen an die Geisterbegegnungen des Vorjahres vergessen und bejubelten alle Aktiven auf beiden Seiten. Der „eingekaufte“ Hallensprecher Jens Ottnad – selbst langjähriger Turner und Kampfrichter für die Karlsruher Hochschulriege und den TV Bühl – gab mit seiner gewohnt kurzweiligen und fachlich versierten Moderation noch die Sahne auf den Kuchen. 

 

Zahlreiche Stürze auf beiden Seiten verstärkten die Dramaturgie zusätzlich, und aufgrund des berühmten einen Fehlers zu viel musste sich der TSV Grötzingen letztlich denkbar knapp mit 40:42 geschlagen geben; doch der Reihe nach.

 

Das Bodenturnen zum Auftakt – bislang eine Stärke der Karlsruher Kunsturner – lief leider diesmal gar nicht nach Maß: Ein Sturz und einige Wackler der Gastgeber brachen den TV Bühl früh in Führung. Diese wechselte zwar nach dem 3. Pauschenpferdduell nach Grötzingen, ging jedoch nach Duell 4 schon wieder zurück an die Gäste. Immerhin konnte das Gerät knapp gewonnen werden, nicht zuletzt dank des glänzend aufgelegten österreichischen Gastturners Ricardo Rudy, der hier mit 13,30 auf Nationalmannschaftsniveau agierte.

 

Trotz einer weiteren Spitzenübung von Ricardo und einem erneut stark aufturnenden Miro Göttler war es an den Ringen aber einmal mehr vorbei mit der Grötzinger Herrlichkeit: Thomas Hanke konnte nach langer Wettkampfpause sein Können zwar aufblitzen lassen, es reichte aber zumindest heuer noch nicht zu einer Topleistung. 3:8 ging das Gerät verloren, und mit einem Zwischenstand von 18:27 ging es in die Halbzeit.

 

Den Sprungdurchgang konnte der TSV auch aufgrund eines Bühler Sturzes gewinnen, während am Barren zwei verstürzte Grötzinger Abgänge nach sonst großartigen Übungen die Bühler auf die Siegerstraße brachten. Nach dem ersten Reckduell, das der Ex-Grötzinger Alexander Fortmeier knapp für seine neue Heimat entscheiden konnte, lagen die Turner aus der Fächerstadt scheinbar aussichtslos mit 30:41 hinten. 

 

Ausgerechnet der britische Spitzenturner Thomas Scott Jones im Bühler Dress musste jedoch das Gerät gleich zweimal unfreiwillig verlassen, und auch sein finaler freiwilliger Abgang mündete nicht in einen sicheren Stand, sondern einen sehenswerten Rückwärtsspurt – eine sichere Beute für Altmeister Lazar Bratan, der in einem zuvor aussichtslos geglaubten Duell 5 Scorepunkte einheimsen konnte. Anton Weiss und erneut Ricardo kamen ebenfalls fehlerlos durch ihr schwieriges Programm: Mit dem bislang besten Reckdurchgang der Saison konnte das „Königsgerät“ mit 10:3 deutlich gewonnen werden – wichtige Gerätpunkte, die dazu führten, dass man trotz der letztlichen Niederlage in der Tabelle nach wie vor einen Tabellenplatz vor dem TV Bühl rangiert (4. vs. 5.). 

 

Um sich in der vorderen Tabellenhälfte behaupten zu können, wird allerdings in den nächsten Wochen eine deutliche Stabilisierung des vorhandenen Übungsgutes erforderlich sein. Trotzdem war es eine Wonne mitanzusehen, wie der gemeinsame Après-Wettkampf in der Grötzinger Trainingshalle mit einer sehenswerten Flugshow am Reck eröffnet wurde: Anton Weiss hing hierbei einen lautstark gefeierten Kovács-Salto, Felix Zäuner präsentierte verschiedene Varianten der Tkatschev-Grätsche. Sämtliche Aktive sowie die mitgereisten Karlsruher Könige zeigten zudem Spitzenleistungen am 7. Gerät und zelebrierten COVID-vorbeugende desinfizierende Mundspülungen – eine großartige Werbung für verantwortungsbewusstes Veranstaltungsmanagement und weitere Liveevents unter GGG-Bedingungen (Geturnt – Gefeiert – Gebechert). 

 

Wir wünschen den Bühlern noch eine erfolgreiche Saison und bedanken uns für einen einmal mehr denkwürdigen Wettkampf!

 

JR

 

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