Greismeister der Herzen: Grötzingen besiegt mit Erfahrung Weißkirchens junge Wilde

Jens Rudat wird ältester Topscorer der DTL-Geschichte

 

Der TSV Grötzingen kam am 3. Wettkampftag der 3. Kunstturn-Bundesliga zu einem 66:14 Kantersieg über den TV Weißkirchen/Taunus. Maßgeblich beteiligt waren die Karlsruher Senioren Lazar Bratan und Jens Rudat, die neben dem rumänischen Gastturner David Andrei Gavril die meisten Scorepunkte beitrugen. Doch der Reihe nach:

 

Drei Tage vor dem Wettkampf erreichte Turner-Trainer Lazar Bratan die krankheitsbedingte Absage des bisherigen (sym)badischen Gastturners Ricardo Rudy (Innsbruck). Kurzerhand wurde der erst für einen späteren Saisonzeitpunkt geplante Einsatz von David Gavril vorgezogen, der aus logistischen Gründen erst in den frühen Morgenstunden des Wettkampftages in der Fächerstadt eintraf und sichtlich übermüdet nur schwer in die Gänge kam – 0:5 Scorepunkte in seinen ersten beiden Duellen an Boden und Pauschenpferd, das hatte man sich anders vorgestellt. 

 

Überhaupt zeigten sich die hessischen Gäste zunächst völlig unbeeindruckt von ihrer unglücklichen Ausgangssituation, ihrerseits ebenfalls auf die gewohnte ausländische Verstärkung verzichten zu müssen, ohne diese kurzfristig adäquat ersetzen zu können. So hätte der Auftakt am Boden durchaus verloren gehen können, wenn nicht Lazar mit der Tageshöchstwertung an diesem Gerät dem stärksten Weißkirchener Julian Peters 2 Scorer hätte abtrotzen können.

 

Am Pauschenpferd legte nun der älteste Grötzinger Jens Rudat (44) vor, um mit einer sicheren Übung erst einmal Ruhe in die sichtlich nervöse Truppe zu bringen. Prompt misslang seinem Gegner gleich das erste Übungsteil dermaßen, dass es nicht anerkannt wurde und die Spitz auf Knopf konzipierte Übung somit zu wenig Elemente beinhaltete. Der fällige Penalty resultierte in der „Höchststrafe“: Jens bekam nicht nur die erwarteten 4 oder 5, sondern gleich 10 Scorepunkte.

 

Der nächste Hesse brachte dasselbe Gastgeschenk dar, so dass Neyén Eder für seine gründlich verturnte, aber vollständige Übung weitere 5 Scorepunkte einheimste, statt wie befürchtet 5 abzugeben – netto also auch wieder 10 gewonnen. Der anschließende unfreiwillige Absteiger von David brachte den Gästen zwar einen Anschlusstreffer, aber das blitzsaubere Pferddebut von Marco Richter drehte den Spieß wieder um zum vorentscheidenden 18:1-Gerätergebnis.

 

Von den zahlreichen Fehlern der Athleten ließ sich leider auch das (zu?) zügig wertende Kampfgericht bisweilen anstecken: Nicht nachvollziehbare bzw. oft nicht konsistente Abzüge sorgten für Kopfschütteln auf beiden Seiten. Insbesondere wäre ein Ehrentreffer in Form eines Gerätpunktes an den Ringen der tapfer kämpfenden Weißkirchener Riege nicht nur moralisch zu gönnen gewesen, und auch der zweifellos verdiente Grötzinger Sieg am Sprung hätte trotz des gelungenen Debuts von Luca Dilger im Karlsruher Dress nicht „zu Null“ erfolgen dürfen.

 

An Barren und Reck gelang Julian Peters jeweils noch ein Achtungserfolg, alle anderen Scorepunkte blieben in Baden. Damit ging auch die Gerätewertung mit 12:0 an den TSV, der nun als Tabellendritter rangiert. Topscorer der Begegnung wurde Jens Rudat, der in dieser Funktion wohl einen Altersrekord in der Deutschen Turnliga aufgestellt haben dürfte.

 

Die beabsichtigte Steigerung zur Vorwoche konnte keinesfalls realisiert werden. In Anbetracht der Umstände (neben dem oben erwähnten Ausfall unseres österreichischen Gastturners musste auch der schulterverletzte Miro Göttler kurzfristig ersetzt werden) kann man froh sein, dass den hessischen Gegnern nicht nur ihr bärenstarker Russe fehlte, sondern auch noch weite Teile der Ersatzbank. Während an Boden, Ringe und Barren noch ordentliche Gegenwehr erfolgte (insgesamt 12:27, das hätte mit ausländischer Verstärkung statt der jeweils schwächsten Übung eng werden können), kam an den anderen Geräten der eine oder andere Turner wohl eher unverhofft zu seinem Einsatz. Das desaströse Teilergebnis von Pauschenpferd, Sprung und Reck von 2:39 führte zum überdeutlichen Endstand, der die Leistungsfähigkeit des Liganeulings nicht annähernd widerspiegelt. Wir sind jedenfalls sicher, dass der TSV Weißkirchen die Klasse halten wird und freuen uns schon jetzt auf das „Rückspiel“ im kommenden Jahr.

 

Wir bedanken uns bei allen fleißigen Abbauhelfern und verabschieden uns in die dreiwöchige Pause anlässlich der Kunstturn-WM in Stuttgart. Anderen bei der Arbeit zuzusehen, ist ja hin und wieder auch ganz nett. 

 

JR

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