Selbst um die Siegchance gebracht

Zahlreiche Fehler bringen Grötzinger Kunstturner auf die Verliererstraße

 

Das Ergebnis 20:44 liest sich wie ein chancenloses Debakel – war es aber nicht: Im Gegensatz zum Schlachtfest in Oberhausen agierten die Turner aus der Fächerstadt inhaltlich absolut auf Augenhöhe mit den Gütersloher Gästen. Aber während diese lediglich in einem einzigen ohnehin belanglosen Duell patzten, waren gleich fünf Stürze vom bzw. aufs Gerät auf Grötzinger Seite sowie drei weitere sturzäquivalente Fehler bei vermeintlich sicher beherrschten Übungsteilen des Schlechten zu viel. 

 

Wie im Vorbericht angekündigt, war der TSV am Boden eigentlich stärker, konnte dies aber nicht zur Schaffung eines adäquaten Polsters nutzen (4:4). Somit konnte der TV Isselhorst an seinen starken Geräten Pauschenpferd und Ringe zum Halbzeitstand von 11:25 deutlich davonziehen – erleichtert durch drei Grötzinger Stürze und einen klaren taktischen Fehler in der Mannschaftsaufstellung: „Nach dem zweiten deutlich verlorenen Pferdduell hätten wir auf Angriff turnen müssen; da waren wir zu defensiv“, gab sich Mannschaftsführer Jens Rudat selbstkritisch.

 

Sprung und Barren liefen dann weitgehend auf Augenhöhe (5:6 bzw. 3:3), bevor die Gastgeber einen durchaus möglichen Gerätsieg beim abschließenden Reckturnen mit drei gründlich verkorksten Übungen leichtfertig herschenkten – wobei dem sehr kurzfristig für den erkrankten Luca Dilger eingesprungenen Julian Bertsch sicherlich kein Vorwurf gemacht werden kann (von dem er sich ohnehin bereits wenige Minuten später durch einen gut gekühlten Kasten Duschbier freigekauft hätte).

 

Glückwunsch an die praktisch fehlerfrei auftretenden Ostwestfalen, die sich ihre geglückte Revanche für die Niederlage im Vorjahr redlich verdient haben und nun auf Rang 3 der Tabelle vorgerückt sind – aber damit nach eingehendem Studium des Restprogramms immer noch in Reichweite der Karlsruher Kunsturner liegen. Hierfür wird in den kommenden Wochen allerdings erhebliche Fleißarbeit zur Stabilisierung des Übungsgutes nötig sein.

 

Wir bedanken uns für eine stets faire Begegnung und die tatkräftige Abbauhilfe, so dass trotz zusätzlicher Umbaumaßnahmen (das Reck musste für einen sehr hochgewachsenen Gästeturner zweimal höhergestellt werden) bereits 3h nach Wettkampfbeginn die Emil-Arheit-Halle wieder besenrein übergeben werden konnte – auch dank eines zügig wertenden Kampfgerichts. Dieses stellte auf beiden Seiten unmissverständlich klar, warum die Bewertung der Ausführung im offiziellen Fachjargon „Execution“ heißt… Dass trotzdem der 33jährige Robert Payne, weit entfernt von der Form früherer Tage, quasi aus dem Rückenmark eine höher bewertete Pauschenpferdübung aufs Parkett zauberte als die halbe deutsche Nationalmannschaft, sollte zu denken geben – mit den Worten des Altmeisters: „Is it knowledge?“

 

JR

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