Karlsruher Kunstturner bejubeln Heimsieg zum Saisonauftakt der 3. Bundesliga

Taktisches Geschick und ein bisschen Glück kompensieren die ärgsten Fehler

Wie im Vorjahr gelang den Kunstturnern des TSV Grötzingen ein Sieg gegen die Wettkampfgemeinschaft aus dem Aschaffenburger Umland (TV Hösbach/TV Großostheim), dieses Mal in heimischer Halle. Und wieder waren die Unterfranken nach Punkten eigentlich knapp in Front, hatten aber nach dem in der Deutschen Turnliga exklusiv angewendeten Scoresystem mit 36:46 das Nachsehen.

 

Dieses übersetzt die Unterschiede in der Wertung zweier unmittelbarer Gegner in sogenannte Scorepunkte, die aber nicht linear zum Wertungs-Delta ansteigen, sondern als Sättigungskurve: Wenige große Abstände fallen daher nicht so stark ins Gewicht wie viele kleine. Daher kann man mit einem einzelnen Spitzenturner netto weniger herausholen als nach herkömmlicher Wertung, und die starke Hintermannschaft wird belohnt. 

 

Dies gereichte heuer den Turnern aus der Fächerstadt zum Vorteil, die auf ihren irischen Spitzenturner Adam Steele wegen dessen Vorbereitung auf die anstehenden Weltmeisterschaften in Stuttgart verzichten mussten. Ersatzmann Ricardo Rudy (Innsbruck) machte seine Sache mehr als ordentlich und integrierte sich auch menschlich hervorragend in die Mannschaft, konnte aber nur am Pauschenpferd seinem Gegenüber Sergey Krivunets (Wladimir) das Wasser reichen – 72,05:77,25 lautete das Gesamtergebnis der beiden ausländischen Verstärkungen. Durch geschicktes Taktieren gelang es, den bärenstarken Russen weitgehend ins Leere laufen zu lassen, so dass dieser trotz zum Teil um mehrere Klassen besseren Übungen jeweils eben doch nur 5 Scorepunkte für die Gäste verbuchen konnte. Ein bisschen Glück war hier auch dabei: Die Hausherren machten ihre schwersten Fehler, resultierend in zwei der drei niedrigsten Wertungen, in Duellen, die ohnehin deutlich verloren gegangen wären – darunter ein Blackout von Anton Weiss am Sprung, der durchaus auch schlimmer hätte ausgehen können. 

 

Beim dritten Totalausfall war allerdings zugegeben kein taktisches Geschick im Spiel, sondern blanker Dusel: Ausgerechnet Routinier Lazar Bratan musste gleich zweimal das Pauschenpferd verlassen. Doch statt der erwarteten deutlichen Niederlage wurden überraschend 5 Scorepunkte zu Gunsten des Grötzinger Turner-Trainers angezeigt. Grund war die Nichtanerkennung eines Elements seines Kontrahenten, was zu einer empfindlichen Strafe wegen einer hierdurch zu kurzen Übung führte (Mindestanforderung sind 7 Elemente, die sogenannte Heptessenz einer Übung…).

 

Diese Entscheidung war möglicherweise anfechtbar, wie die mitgeführte Aschaffenburger „Überwachungskamera“ wohl zeigte. Da die DTL-Regularien allerdings einen Videobeweis nicht zulassen, blieb der Oberkampfrichterin nichts anderes übrig, als die einmal gefällte Tatsachenentscheidung regelkonform bestehen zu lassen. Bei Revision wären 3 Scorepunkte für die Gäste fällig gewesen – mit Blick auf den letztlichen Endstand eine nicht ganz unerhebliche Differenz; das hätte eng werden können.

 

Die Unterfranken nahmen es aber sportlich, gewannen erst mal die Ringe, hielten am Sprung wacker gegen, entschieden dann auch den Barren für sich und konnten am anschließenden Königsgerät Reck den dort eigentlich traditionell gut aufgestellten Karlsruher Kunstturnern gar ein regelrechtes Debakel bescheren – Hut ab vor so viel Moral, so braucht Ihr Euch um den Klassenerhalt keine Sorgen zu machen! 

 

Neben Glück und taktischer Finesse hatten die Turner aus der Fächerstadt allerdings auch sportlich einiges auf der Habenseite zu verbuchen. Insbesondere mit dem starken Bodenauftakt wäre mangels Wettkampfroutine auf der nagelneuen sündhaft teuren Fläche nicht zu rechnen gewesen; nur Ligaprimus Oberhausen schnitt hier im Fernduell besser ab. Neuzugang Marco Richter (Neckarau) konnte dabei seine Aufstellung voll rechtfertigen.

 

Trotzdem waren insgesamt sechs Stürze im ersten Wettkampf mindestens vier zu viel; hier muss in den nächsten Wochen erheblich an der Stabilität gearbeitet werden, will man das selbstgesteckte Saisonziel „Platz 4 plus X“ auch tatsächlich erreichen. So viele Gastgeschenke wie heuer wird man so bald nicht wieder entgegennehmen können.

 

Wir danken den Gästen für selbige, außerdem für den sportlich fairen Wettkampf und nicht zuletzt für die tatkräftige Hilfe beim Hallenabbau!

 

JR  

 

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