Vom Tabellenführer zum SuperGAUmeister durch ein 40:48 gegen KTV Fulda

 

Grötzinger Kunstturner werfen greifbaren Sieg beidhändig weg

 

Die ersten Vorboten des drohenden Ungemachs kamen telefonisch: Miro Göttler, sonst sichere Bank an Pauschenpferd und Ringe, musste sich bereits vor dem Wettkampf einer fiebrigen Erkältung geschlagen geben. Da Edelreservist Sven Gerbe zwar an just diesen beiden Geräten einen mehr als adäquaten Ersatz darstellen könnte, dies aber nur bei Anwesenheit, wurde die zweieinhalbstündige Anfahrt nach Fulda entsprechend genutzt, um den einen oder anderen Plan B auszuhecken – kein leichtes Unterfangen bei der dünnen Grötzinger Personaldecke.

 

Selbiger schien nach einem einmal mehr starken Bodenauftakt schon fast nachrangig zu werden, und auch die sympathischen Fuldaer Gastgeber witzelten via Hallensprecher bereits, dass sich die Turner aus der Fächerstadt nun schon ziemlich anstrengen müssten, um noch zu verlieren. Das taten sie. Gleich viermal bockte der bepauschte Gaul, davon dreimal in Miros Vertretungsrodeo – und so konnte der überragende Alexey Bogdanov nicht nur die kalkulierten 5, sondern gleich 10 Scorepunkte einfahren.

 

An den Ringen hingegen ging der Plan B recht gut auf; der Halbzeitstand von 26:22 für Fulda ließ noch alle Möglichkeiten offen. Und in der Tat konnte die Grötzinger Riege das Blatt am Sprung noch einmal wenden: Ein deutlicher Gerätsieg bewirkte einen erneuten Führungswechsel zum 28:30.

 

Ein gründlich verkorkster Barrendurchgang brachte dann allerdings die Vorentscheidung für die Hausherren: Ein völlig misslungener Grötzinger Barrenabgang wurde als Sturz aufs Gerät gewertet – kein Abgang, keine Elementanerkennung, erhebliche Abzüge und vor allem ein Teil zu wenig. Alexey Bogdanov ließ sich die sichere Beute nicht entgehen und erntete erneut einen 10er.

 

Damit war der Karlsruher Widerstand gebrochen, durch einen weiteren Sturz ging auch das Reck und damit der Wettkampf mit 40:48 verloren. Neben den auslegungsüberschreitenden Störfällen an Pauschenpferd und Barren waren drei weitere Stürze zu beklagen (nach jeweils nur einem in den ersten beiden Wettkämpfen). Eine Schuldzuweisung wäre also nicht nur wenig zielführend, sondern schlichtweg unangebracht, da wie die beiden Siege zuvor auch die Niederlage als Mannschaft zu verantworten war. 

 

Nicht zuletzt musste man auch die Leistungen der Gastgeber anerkennen, die gegenüber ihren ersten Begegnungen eine erhebliche Steigerung vorzuweisen hatten. Originelle Elemente wie „Guczoghy“/Ringe und „Steinemann“/Reck rissen Turner wie Fans beider Mannschaften zu Begeisterungsstürmen hin (wobei die Mimik der anwesenden Sanitäter hierbei auch sehenswert war), und der Bundestrainer hätte beim aktuellen Nationalmannschafts-Casting [Hirsch sucht Pferd] gar einen verlorenen „Sohn“ wiedergefunden. 

 

Das gegenseitige Anfeuern und Abklatschen war ebenfalls mächtige Werbung für den Turnsport und wurde vom Hallensprecher treffend kommentiert mit „das gibt es beim Fußball nicht, dass der Gegner jubelt, wenn die andere Mannschaft ein Tor schießt“.

 

Alles in allem also den Wettkampf verloren, aber an Erfahrung gewonnen. Diese gilt es nun in den kommenden Begegnungen zu nutzen – aus Fehlern lernt man ja bekanntlich; hoffentlich.

 

JR