Grötzinger Kunstturner sichern vorzeitig den Klassenerhalt

 

„Ab heute wird nach oben geschaut“

 

Die lange Anreise hat sich gelohnt: Nach reichlich 5h Busfahrt Richtung Gütersloh konnte die Grötzinger Riege beim Tabellenschlusslicht TV Isselhorst durch leidenschaftlichen Kampf einen lange Zeit auf Messers Schneide befindlichen Wettkampf letztlich doch deutlich für sich entscheiden. Dabei gab es noch vor Beginn einen leichten Tiefschlag deutlich unterhalb der Gürtellinie: Durch eine im Einturnen erlittene Wadenverletzung musste der TSV gleich am ersten Gerät Boden auf Altmeister und Punktegarant Lazar Bratan verzichten. Der 16jährige Youngster im Team Neyén Eder konnte seinen Trainer aber adäquat vertreten und die Niederlage am Auftaktgerät auf 4:5 begrenzen. Wenn der Generationswechsel nicht freiwillig erfolgt, muss eben der Mannschaftsarzt nachhelfen…

 

Am Pauschenpferd offerierten die Ostwestfalen großzügige Gastgeschenke, die von Miro Göttler und Jens Rudat dankbar angenommen wurden. Aufgrund eigener Unsauberkeiten konnte das Gerät jedoch nur knapp gewonnen werden; statt einer vorab kalkulierten komfortablen Führung ergab sich im Zwischenstand lediglich ein Unentschieden. Mit den ersten beiden Ringeduellen zogen die Gastgeber sogar zum 17:10 davon, ehe unser britischer Gastturner Dominic Bigsby den Gegenangriff einläute; das Gerät endete unentschieden, und so lautete auch der Halbzeitstand: 17:17 Scorepunkte, 3:3 Gerätpunkte, quasi alles auf Null.

 

Nach einer von Schwierigkeit wie Ausführung völlig ausgeglichenen ersten Wettkampfhälfte konnte sich der TSV am Sprung durch in beiden Kriterien höhere Punktzahlen leicht mit 3 Scorepunkten absetzen (Gerätsieg 8:5) – ein vorab als überlebenswichtig eingeschätzter und vermeintlich viel zu kleiner Vorsprung, denn in den vergangenen Wettkämpfen hatte der TV Isselhorst an Barren und Reck inhaltlich und von der Ausführung her deutlich stärkere Leistungen gezeigt als die Turner aus der Fächerstadt.

 

Was dann passierte… hier lassen wir zunächst einfach mal die Zahlen sprechen: Schwierigkeit an den letzten beiden Geräten Isselhorst 26,3 – TSV 23,8. Ausführung 67,55: 70,15 – damit quasi Augenhöhe erreicht, in summa93,85 : 93,95. Durch ein geschicktes Händchen beim Taktieren und eine gehörige Portion Glück des Tüchtigen inklusive einer zweiten Runde westfälischer Gastgeschenke ergab dies im Scoresystem ein 5:13-Debakel für die gebeutelten „Nordlichter“ zum Gesamtsieg von 38:27 für die Badener. 

 

Das Schlüsselduell bestritt einmal mehr der 19jährige Julian Bertsch, der dieses Mal seinen Abgang deutlich geschickter verturnte als vor zwei Wochen in Fulda und mit sehr geringen Abzügen davon kam, während sein übermächtig erscheinender lettischer Gegner in westfälischen Diensten in der Ausführung die Tagestiefstwertung von 6,70 hinnehmen musste – merke: Eine saubere Hockwende egalisiert einen gestürzten Doppelsalto gebückt. 

 

Den Schlusspunkt setzte der dritte Jungspund im Grötzinger Team Anton Weiss, der für seine vier blitzsauberen Übungen im Schnitt nicht mal einen Punkt Abzug erhielt. „Die Jungs haben Moral gezeigt und haben souverän ihr Programm bis zu Ende abgespult. So einen Wettkampf zu gewinnen macht einfach Spaß“ resümierte Lazar Bratan. 

 

Der TSV Grötzingen hat mit dem Abstiegskampf in dieser extrem ausgeglichenen Ligastaffel nun endgültig nichts mehr zu tun und kann erste Berechnungen für eine mögliche Teilnahme am Relegationswettkampf Richtung 2. Bundesliga anstellen. Da durch den für 2019 angekündigten Rückzug gleich zweier Mannschaften aus dem Oberhaus heuer auch der Drittplatzierte eine Chance zum Aufstieg hat, liegen Freud und Leid so nah beisammen wie schon lange nicht mehr.

 

Für die jüngeren Turner der Grötzinger Garde gibt es nun eine verdiente Wettkampfpause bis zum nächsten Heimspiel am 10. November gegen den Tabellenzweiten von der KTV Obere Lahn. Ausgerechnet die Altersturner Lazar Bratan und Jens Rudat hingegen müssen wie auch Kampfrichter Thorsten Ulrich gleich wieder ran bei den anstehenden DEUTSCHEN HOCHSCHULMEISTERSCHAFTEN, die die heimische Uni – respektive das KIT – am nächsten Freitag und Samstag im benachbarten Rüppur ausrichtet. Zur Gesundung der geschundenen Körper wird dieser zusätzliche Einsatz sicher nicht beitragen; hoffen wir also mit Juvenal, dass zumindest der Geist noch mitspielt. 

 

In diesem Sinne: Mens sana in campari soda.

 

JR

 

PS: Damit die lange Rückfahrt auch nicht umsonst war – hier die versprochene Sprüchesammlung, eingeleitet mit der Freude von Dominic Bigsby über seinen ersten Sieg im Grötzinger Dress:

 

„Good company, happy to get top scorer. The whole team smashed it!”

 

“Stolz wie Oskar“ (Lazar)

 

„Die Spannung in der Halle beschränkte sich nicht auf die Körperhaltung“ (Anton?)

 

„Meine Null steht” (Neyén)

 

“Ich bin mit meiner Leistung beim Kameraknöpfe drücken extrem zufrieden, Tendenz steigend“ (Nikolai)

 

„Der Anton hatte heute Kleister an den Füßen“ (Julian zur Standsicherheit seines Teamgefährten)

 

„Mit keinem Sturz und sicheren Landungen war die einzige Enttäuschung ein halb leeres Bier auf der Rückfahrt.“ (Miro?)

 

„Wir haben zwar nicht verstanden, wer gewonnen hat, aber sowas Geiles haben wir noch nie gesehen!“ (Busfahrer).