Sonntäglicher Sieg zum Saisonauftakt

Grötzinger Kunstturner in Hösbach mit dem Glück des Tüchtigen

 

Es wurde die erwartet knappe Kiste: In einem hochspannenden Wettkampf mit ständig wechselnder Führung, der auch aufgrund des fairen, ja freundschaftlichen Miteinanders der Kontrahenten eigentlich keinen Verlierer verdient gehabt hätte, waren die Turner aus der Fächerstadt letztlich mit 37:36 Scorepunkten der glückliche Sieger.

 

Wie prognostiziert ließen zum Saisonbeginn einige Übungen auf beiden Seiten noch den letzten Schliff vermissen. Wettkampfentscheidend in dieser Begegnung auf Augenhöhe war letztlich, dass die Grötzinger Gäste ihren einzigen Sturz in einem ohnehin aussichtslosen Duell verpacken konnten, während die unterfränkischen Hausherren gleich zweimal in sensiblen Zweikämpfen patzten und dabei trotz jeweils deutlich höherer Schwierigkeit insgesamt 8 Scorepunkte abtreten mussten.

 

Doch der Reihe nach: Am Boden gab es mit 5:0 gleich einen Auftakt nach Maß, besonders erfreulich hier aus Karlsruher Sicht das Ligadebut von Julian Bertsch, der bei seiner ersten Übung für die erste Mannschaft des TSV gleich zwei Scorer einheimsen konnte.

 

Ausgerechnet Routinier Jens Rudat ließ dann am Pauschenpferd die ersten Punkte für Hösbach zu; gleich zu Übungsbeginn vergriffen, konnte das Urlaubsgewicht bis zum Abgang nicht mehr in adäquaten Schwung versetzt werden. Dass trotz zweier weiterer einstelliger Wertungen hier letztlich doch noch der Gerätsieg eingefahren werden konnte, ließe sich mit ein paar blumigen Beschreibungen sicherlich als taktische Meisterleistung verkaufen; „Glück“ trifft es aber auch und ist deutlich schneller geschrieben.

 

An den Ringen gab es dann die erwartete deutliche Niederlage zum 17:17-Halbzeitstand, bedingt auch durch eine Oberschenkelblessur von Miro Göttler beim Abgang, die sich hoffentlich bis zum nächsten Wettkampf in zwei Wochen ebenso auf Vordermann bringen lässt wie der Kleiderschrank von Kampfrichter-Debütant Niko Papadopoulos (der ansonsten allerdings seine Sache sehr gut machte; er ist schließlich auch nur für die D-Note zuständig, und da geht’s ja nicht ums Aussehen:-).

 

Einen weiteren Schreckmoment gab es dann am Sprung: Nach beiderseitiger Spitzenleistung zu Beginn (gleich zwei Kasamatsu gestreckt in Folge wären in der 3. Liga noch vor wenigen Jahren einem ausländischen Gastturnerduell vorbehalten gewesen) wurde unmittelbar nach Übungsanmeldung von Zuschauerseite versehentlich eine Absperrwand umgeworfen, die gefühlt in den Anlauf des zweiten Grötzinger Springers Anton Weiss fiel. Dieser zog seinen gehockten Kasamatsu (Wettkampfpremiere!) zwar durch, jedoch mit dem Ergebnis einer kontrollierten Vierpunktlandung. Oberkampfrichter Achim Vogel erklärte daraufhin, dass er bereits während des Malheurs im Anlauf ein lautes „Stopp“ von sich gegeben hätte, was Anton allerdings „im Tunnel“ ebenso wenig gehört hatte wie die Grötzinger Bank. Der Sprung durfte jedenfalls wiederholt werden und gelang erheblich besser – was sich im Nachhinein als nicht ganz unbedeutend herausstellen sollte.

 

Trotzdem ging das Gerät mit 3:8 verloren, vor Barren lagen die Hausherren also erstmals in Führung – die mit den ersten drei gelungenen Karlsruher Übungen postwendend zurückerobert wurde, bis Hösbach das letzte Duell deutlich für sich entscheiden konnte und seinerseits mit 30:29 in Front ging.

 

Mit denkbar knappem Rückstand ging es also ans Königsgerät. Hier wendete Grötzingens Turner-Trainer Lazãr Bratan erneut das Blatt, Anton und Adam Steele machten den Sack quasi zu. Jens gab zum Abschluss wie schon an den Ringen das willig blökende Opferlamm gegen den „Hösbacher Russen“ Sergey Krivunets, der sich mit „The Man of Steele“ die Topscorerposition teilte. Ein „Zehner“ konnte vermieden werden, das anschließende anerkennende Abklatschen durch die komplette Hösbacher Mannschaft war die Mühe allemal wert.

 

Wir bedanken uns bei Gegnern, Zuschauern und Wettkampfleitung für einen großartigen Sonntagnachmittag und last not least für das selten so verdiente Duschbier.

 

JR