Grötzinger Kunstturner wollen Auftaktschwung mitnehmen

Tabellennachbar KTV Hohenlohe zu Gast in Grötzingen

 

Nach dem ersten Auftaktsieg in der Deutschen Turnliga seit 2015 schwimmt die Riege des TSV Grötzingen auf einer kleinen Euphoriewelle: Lang ist’s her, dass man auf weite Teile der Tabelle herabschauen konnte, statt mühsam das Feld von hinten aufrollen zu müssen. Insbesondere die Tatsache, dass alle „jungen Wilden“ inklusive Ligadebütant Julian Bertsch sich im ersten Wettkampf in die „Torschützenliste“ eintragen (d.h. dem direkten Gegner im Duell das Nachsehen erteilen) konnten, macht Lust auf mehr.

 

Allerdings kommt mit Hohenlohe nun einer der schwersten Brocken in die Emil-Arheit-Halle, der neben der obligatorischen ausländischen Verstärkung auch einen heimischen Topturner präsentiert: Mike Hindermann, früherer Jugendnationalturner, nun bei den Männern amtierender BaWü-Meister im Mehrkampf + Sprung + Barren + Reck (sowie Platz 2-4 an den anderen Geräten) wird den Turnern aus der Fächerstadt das Leben sicherlich schwer machen – wobei auch der Rest der Truppe nicht zu unterschätzen ist.

 

Zur Vorbereitung hat man denn auch die Ergebnisse der ersten Wettkämpfe gut studiert und verglichen. Da das Wertungsniveau allerdings nicht unbeträchtlich von der Strenge des jeweiligen Kampfgerichtes abhängt, schaut man hier vorwiegend auf die weitgehend „unbestechlichen“ Ausgangswerte der Übungen, das heißt die gezeigten Schwierigkeiten: „Hohenlohe turnt 5-6% schwieriger als wir, also müssen wir 2% sauberer agieren“, fassen Turner-Trainer Lazar Bratan und Mannschaftsführer Jens Rudat die Analyse zusammen.

 

Wem hierzu spontan nur ein deutsches Fragewort mit „H“ einfällt, sei im Folgenden aufgeklärt: Die Bewertung einer Übung addiert sich aus der Ausführung (Höchstpunktzahl „Traumnote 10“) und der Punktzahl der präsentierten Schwierigkeit. Letztere ist zwar theoretisch nach oben offen, liegt allerdings auch in der Weltspitze kaum über 6 Punkten. In der 3. Bundesliga lagen im ersten Wettkampf alle Mannschaften im Schnitt zwischen 3,0-3,5 Punkten – also bei nur rund einem Drittel der Maximalpunktzahl für die Ausführung, die folglich dreimal mehr zur Gesamtwertung beiträgt.

 

Um dies an einem Beispiel aus der Praxis zu verdeutlichen: Stockt ein Turner seinen Abgang von „C“ auf „D“ auf (z.B. am Reck von Doppelsalto gehockt mit Schraube auf Doppelsalto gestreckt mit Schraube), bringt ihm das eine Schwierigkeitserhöhung um 0,3 Punkte – die er mit einem mittelgroßen Ausfallschritt zur Landungskorrektur gleich wieder los ist. Ein Sturz kostet gleich einen ganzen Punkt, zur Kompensation müsste man also die gesamte Übung rund 30% schwieriger machen.

 

Nur weil Hohenlohe auf dem Papier als klarer Favorit in die Begegnung geht, muss also in Karlsruhe weder jemand auf die Euphoriebremse treten, noch waghalsige Manöver riskieren. Allerdings wird es erforderlich sein, die z.T. doch gravierenden Abzüge im ersten Wettkampf insbesondere am Pauschenpferd und an den Ringen deutlich zu minimieren.

 

Dabei hofft die Mannschaft auf lautstarke Unterstützung in heimischer Halle, zu der wir unseren Gästen eine staufreie Anreise wünschen.

 

JR