Karlsruher Kunstturner im Aufwind

 

TSV Grötzingen gelingt gegen München wichtiger Schritt Richtung Klassenerhalt

 

Am Ende wurde es ein deutlicher Sieg: Mit 49:32 Scorepunkten erteilten die Turner aus der Fächerstadt den bayerischen Gästen klar das Nachsehen und dem Abstiegsgespenst eine amtliche Tracht Prügel. Langfristig bedeutender war allerdings Vincent Kvetas Rücktritt vom Rücktritt: Nach ein paar klärenden Gesprächen und ein bisschen Bedenkzeit wurde der berühmte Nagel, an den die Riemchen noch letzte Woche zur vermeintlich letzten Ruhe gebettet wurden, kurzerhand wieder aus der Wand gezogen – im Grunde ja eine leichte Übung für einen gelernten Schreiner, die trotzdem gern ohne Nachahmungstäter auskommen mag.

 

Prompt heimste der verloren geglaubte Sohn gleich am Boden vier wichtige Scorepunkte gegen den tatsächlichen Grötzinger Alumnus Mauno Schelb ein. Da auch die anderen Freunde des Turnbodens famos aufturnten, ging dieses Gerät überraschend deutlich mit 13:3 an die Gastgeber.

 

Vincent Kveta
Vincent Kveta

Dann war es aber auch erst mal vorbei mit der Herrlichkeit: Ausgerechnet das Pauschenpferd, bis dahin bestes Grötzinger Gerät, erwies sich als ausgewiesen bockig, warf gleich zwei Karlsruher Akteure vorzeitig ab und zwang einen dritten zu einer zwar wackeren, aber brotlosen Rodeoeinlage. Einzig Jens Rudat kam trotz erkennbarer Probleme noch halbwegs ungeschoren durch sein Programm und punktete zum Ehrentreffer – 1:10 hieß das indiskutable Ergebnis.

 

An den Ringen brachte ein taktischer Fehler die Hausherren noch tiefer in die Bredouille: Statt eines möglichen Sieges wurde dieses Gerät unnötig mit 5:8 verloren, so dass man mit einem Rückstand von 19:21 in die Halbzeitpause ging.

Der Barren brachte die Hausherren endgültig auf die Siegerstraße, nicht zuletzt dank einer Weltklasseübung des irischen Gastturners Adam Steele. Derart beflügelt wollte selbiger dann am Reck ein bisschen zu viel des Guten und musste bei seinem schwierigen Moznik (Tkatschjow-Grätsche mit halber Drehung) eine unsanfte Rückenlandung in Kauf nehmen. Dies tat dem Grötzinger Sieg am Königsgerät aber keinen Abbruch, denn im letzten Duell des Wettkampfes profitierte unser Lieblingsschreiner seinerseits von einem Absteiger des Gegners und konnte noch einmal vier Scorepunkte auf der Habenseite verbuchen, die von den viel zu wenigen, aber umso lauteren Karlsruher Turnfans frenetisch bejubelt wurden (gut, andere Zimmerleute stiften Weltreligionen, da ist also noch Luft nach oben; aber ein Heimwettkampf kommt ja noch).

Damit springt der TSV Grötzingen auf Platz 5 der Tabelle und hat sich das nun folgende wettkampffreie Wochenende ebenso verdient wie das extrem schnelle Kampfgericht, dass in gerade mal 2h (inkl. Pause) die Begegnung reibungslos und zur vollsten Zufriedenheit aller Beteiligten über die Bühne brachte – da hat man schon weniger harmonische Abstiegsduelle erlebt. In diesem Sinne ein abschließendes „Kopf hoch!“ an die sympathische Truppe aus München, für die es nun sehr schwer wird, die Klasse zu halten – haut rein, Jungs; wir würden Euch vermissen!

Abteilungsleiter Frank Roll sieht nach dem 1. Sieg zufrieden aus
Abteilungsleiter Frank Roll sieht nach dem 1. Sieg zufrieden aus

JR    (wieder ein Weltklasse Kommentar)